Jenaer Festspiele
Die Courage kommt

STÜCKINFORMATION


Das ganze Leben ist ein Spiel

Schauspiel:
Anne Dünger, Claudia Krüger, Cordula Schmitt, Eric Leppert, Felix Kupfernagel, Jakob Mittelsdorf, Katja Weber, Maik Pevestorff, Paul Seeber, Petra Jungandreas, Ralf Bartho, Robert Oehmchen

Musik:
"Dandy Desmonds"
Jörg Breitbart, Martin Hünniger, Mathias Krauß, Stephan Hepper

Ton: Tommy Neuwirth
Organisationsleitung: Anne Dünger
Regie: Paul Josiger
Dramaturgie: Paul Josiger, Marko Grunz

Stücklänge: ca. 2,5 Stunden

Bisherige Aufführungen 2011:
Festplatz an der Papiermühle Jena

 

Keine weiteren Aufführungen

 

 

DAS THEATER IM KARTON PRÄSENTIERT ...

Spielen spielen Spielen Spielen Spielen Spielen Spielen - Ich spiele ein Spiel mit dir du spielst ein Spiel mit ihr er spielt ein Spiel mit mir sie spielt ein Spiel mit ihm es spielt ein Spiel mit dir wir spielen ein Spiel mit euch ihr spielt ein Spiel mit uns sie spielen ein Spiel mit ihnen.

Kommen Sie zu uns liebe Freunde, strömen Sie herbei und werden Sie unsere Gäste beim großen Fest.
Treten Sie näher und bestaunen sie die Attraktionen, die wir für uns bereitet haben.
Beweisen Sie ihren Mut, und treten sie an gegen den stärksten Mann der Welt. Für die Wagemutigsten unter Ihnen wartet eine Reise ins Land der Geister. Vergessen Sie alles, was Sie bisher gesehen haben, und werden Sie Zeuge eines schier unglaublichen Augenblicks: Ein Mann wird sich - nur für Sie - von einer Kanone in die Lüfte schießen lassen! Und auch für diejenigen unter Ihnen, denen der Sinn nach ein wenig Lust und Leidenschaft steht, ist etwas dabei: Yvette nimmt sich in ihrem Boot gerne Zeit für ein kleines Stelldichein zu zweit.
... und selbstverständlich wird das Bier in Strömen fließen!

Bevor wir es vergessen: Bringen Sie gute Laune mit; denn es wird ein Abend voller Frohsinn und Heiterkeit. Lassen wir uns nun alle in diesen Nächten verwöhnen mit Speis und Trank und jeder Menge Spektakel. Und nun zur Einstimmung, schon jetzt zum mitsingen und summen:
Eins Zwei Drei Vier: Das ist doch Wahnsinn, warum schickst du mich in die Hölle... HÖLLE HÖLLE HÖLLE HÖLLE!

 

Das "Theater im Karton" wird sein neues Stück in ein außergewöhnliches Sommerfest verwandeln. Unsere zeitgemäße Inszenierung etabliert dabei eine Gesellschaft des Spektakels, eine Gesellschaft zwischen Unterhalten und Unterhalten lassen. Zwischen dauerhaften Spiel- und Spaßprogrammen sind wir auf der Suche nach Inseln der Ehrlichkeit, zwischen inszenierten Realitäten suchen wir wahrhaftige Momente des Mitgefühls. Das ca. zweieinhalbstündige Stück wird dabei die Atmosphäre eines Volksfestes aufgreifen; neben Essen und Getränken werden Musik und Tanz, sowie diverse Jahrmarktsattraktionen zu einem gelungenen Fest für ca. 70 Zuschauer beitragen.

 

 

 

PROGRAMM

 

 

 

KOMMT, LASST UNS SPIELEN.
HEREINSPAZIERT, HEREINSPAZIERT. WILLKOMMEN ZU UNSEREM FESTSPIEL.

Kommt, lasst uns feiern.
Nach getaner Arbeit haben wir uns ein frischgezapftes Feierabendbier, Schwein am Spieß, gute Unterhaltungen in netter Gesellschaft verdient.

Kommt, lasst uns tanzen.
Herrenwahl, Damenwahl Darf ich bitten?

Kommt, lasst uns amüsieren.
Sehet, staunet, höret, schmecket

Kommt, lasst uns spendabel sein.
Das Geld sitzt heut locker. Wer gibt einen aus? Noch ne Runde - für alle.

Kommt, lasst uns mal alles nicht so genau nehmen.
Fünf gerade sein lassen. Meine ist heute auch deine - und andersherum.

Kommt, lasst uns mal sagen, was wir denken.
Weißt du, wenn wir was zu sagen hätten, dann sähe die Welt ganz anders aus ...

Kommt, lasst uns verkleiden.
Ich bin der stärkste Mann der Welt. Ich wickle jeden Mann um meine Finger. Ich bin das schreckliche Schreckgespenst.

Kommt, lasst uns mal ein bißchen verrückt sein.
Auf den Tischen tanzen, dem Nachbar ins Bier spucken, fremde Frauen küssen

Kommt, lasst uns mal die Regeln brechen.


Die Welt ist ein Dorf, das Leben ein Spiel - möge das Fest beginnen.

 


 

 

 

 

MUSIK

 

 

Unsere Liveband:
>> "Dandy Desmonds"

Self-portrait:
The aim of our music is to alienate the audience and force them to rethink the common concepts of music - a relief for creative but unconventional musical ideas and potentials. We interpret music from the standpoint of musicians for musicians. We thrill, we surprise, we inspirate if you listen carefully.

 

 

BILDERGALERIE

 

 

"Werte Gäste, ich habe soeben Nachricht erhalten, die Courage wird bald hier eintreffen. Es kann nicht mehr lange dauern. Ich möchte nicht zu viel vorwegnehmen, aber es wird der Höhepunkt des Abends, und natürlich wird das Bier in Strömen fließen."
"Hurra, Hurra, die Courage kommt."

"Hört ihr Leute, nun lasst die Spiele beginnen. Denn die Courage ist da mit ihren Kindern. Seht den starken Eilif und seht auch den Schweizerkaas den Zauberlehrling. Wir haben euch für diesen Abend viele Spiele mitgebracht. Wir haben Geschichten mitgebracht und Spiel, und ich rieche auch ein wenig Mystisches, das in der Luft liegt."

"Wir sehen nun das Schauspiel Mutter Courage und ihre Kinder"
"Ein Bauernweib, verschlagen und schlau, den Sinn immer nach klingendem Heller und gefülltem Säckel gerichtet, hatte dareinst drei Kinder. Lange hatte sie versucht, dem Kriege auszuweichen, ihre Kinder ohne seine Hilfe aufzubringen und ihre Geschäfte ohne ihn zu verdingen, doch er hatte sie durch Straß' und Land verfolgt, und nun stand sie ihm gegenüber, das Herz so schwer und leer wie die Bäuche ihrer Kinder."

"Wollt ihr wirklich noch eine Geschichte hören, denn sie ist viel zu gefährlich, um sie zu erzählen; letzte Woche in Weimar sind alle zu Stein erstarrt und zu Staub zerfallen."
"Ja, hurra, zu Stein erstarren, zu Staub zerfallen"
"So sei es. - Wir haben die größte Attraktion der Welt für euch. Er hat Berge mit dem kleinen Finger versetzt ... und hier ist er, der stärkste Mann der Welt."

"Hast du das gesehen, ich hab sie alle besiegt, Mama, ich der stärkste Mann der Welt."
"Nimm den Mund nicht so voll."
"Ich kann sie alle besiegen. Sie haben keine Chance. Ha - Du, Du auch nicht. Ich bin der stärkste Mann der Welt."
"Nein, bist du nicht. Du bist nur ein Schauspieler!"

"Wie toll wäre es doch, wenn Eilf auch ein Mitglied unserer Bande werden würde. Hier bei uns in unserer Truppe, da brauchen wir noch einen der richtig anpacken kann."
"Na dann holen wir ihn uns einfach."

"Wir würden Ihnen gerne einen Vorschlag unterbreiten. Wenn Sie vielleicht " Die Feldhauptfrau bittet Eilif mit einer Geste sie zu begleiten.
"Er bleibt hier."
"Aber er will doch. Eilif, was halten Sie davon Teil unserer kleinen Bande zu werden. Bei uns könnten Sie so einiges lernen. So ein Leben auf der Straße, das ist doch nichts für einen Mann wie Sie."
Katrin versucht Eilif zurück zu halten.
"Ja, ich will mitkommen."

"Und nun kommen wir zum nächsten Spiel. Jeder, der noch nicht gewonnen hat, kann nun seine Stärke beweisen. Wie spielen "Hau die Katrin"! Schweizerkaas, wie funktioniert dieses Spiel?"
"Man nimmt all seine Kraft zusammen, atmet tief durch und haut mit dem Hammer die Katrin. Die Höhe, die sie springt, zeigt die eigene Stärke an. Wer ist der Stärkste von euch?"
"Ich, ich, ich"

Alle spielen "Hau die Katrin". Eilif ist der Letzte, der haut. Katrin springt am höchsten, Eilif wird zum Sieger des Spiels erklärt.
"Und der Stärkste und Kräftigste in eurer Bande ist Eilif."
Feldhauptmann und Koch nehmen Eilif auf die Schultern. Eilif wird von der Bande gefeiert.
"Eilif, Eilif, Eilif"

"Ich habe gewonnen!"
Katrin zittert am ganzen Körper.
"Das waren unsere Spiele. Vielen Dank. Es hat uns einen Riesenspaß mit euch gemacht!"

"Ihr seid ungerecht! Alle Spiele wurden durch ein Mitglied eurer Familie gewonnen! Das ist doch ein abgekartetes Spiel! Wir spielen noch mal!"
"Katrin, hock dich hin! Wir spielen nochmal! Los!"
"Spielen, Spielen, Spielen"
Einzelne Mitglieder schlagen nacheinander neben Katrin. Die Bande jubeld und gröhlt. Katrins Schreie werden immer kläglicher und schmerzvoller.
"So, jetzt bin ich dran!"
"Hölle, Hölle, Hölle"
Erster Schlag, Pause, seltsames Lachen. Dann dreht die Feldhauptfrau durch und schlägt wiederholt.

Fotografie: Andre Helbig, Elise Richter

"Ist es nicht ein herrlicher Abend Courage. Was für ein Spektakel, ein buntes Treiben, wo man hinsieht. Diese Ausgelassenheit, diese Freude, diese glücklichen Menschen. Wie sie sich dem Spiel hingeben, dem großen Spiel. Dafür lohnt es sich doch hierher zu kommen. Es ist mir jedes Mal ein ganz besonderes Vergnügen. Warum verschlägt es Sie immer wieder hierher? Sie reisen herum, von Fest zu Fest, bringen den Leuten Spaß und Spektakel! Was für ein Leben! Sagen Sie: Wo sind sie zu Hause, Courage?"

"Haben Sie sich schon mal gefragt, was hier eigentlich gefeiert wird."
"Sie feiern, weil es ihnen Spaß macht."
"Nein, sie feiern, weil´s müssen."
"Es sollte für Sie eine Ehre sein, bei diesem Ereignisse teilhaben zu dürfen."
"Eine Ehre. Das ich nicht lache: Warum? Wegen dem Überschwang, Überfluss, und überhaupt alles: Alle belügen sich selbst, machen aus allem einen Witz. Hauptsache das Spiel geht weiter, nicht wahr, dafür tun sie alles."
"Weils müssen, wenn man alle so reden hört, geht's nur darum, weils Spaß wollen und Spektakel und Fröhlichkeit, aber wenn man genau hinschaut, machens das Spektakel nur des Geldes wegen. Und anders würden die kleinen Leute wie ich auch nicht mitmachen."

 

 

 

MEDIENBERICHTE

 

"An andere Orte gehen"
Interview des Akrützel mit dem Regisseur Paul Josiger
vom 15. Juli 2011

"Dieses Stück ist schon ein wenig systemkritisch. Ich nenne es ein politisches Projekt, obwohl man es ihm anfangs nicht ansieht und ich weiß nicht, ob der Zuschauer es am Ende auch explizit als dieses sieht, da es nicht direkt gesagt wird. Es ist inspiriert von Brechts "Mutter Courage". Eine der Aussagen ist, dass es in unserer angeblich zivilisierten Welt keine Kriege mehr gibt, welche uns betreffen. In unserem Stück finden die Kriege im Zwischenmenschlichen statt."

 

Vorbericht Jena TV
vom 21. Juli 2011
 

"An einem geheimen Ort im Grünen wird in den nächsten Tagen ein großes Freiluft-Spektakel veranstaltet. Die Gruppe "Theater im Karton" lädt zu den "Jenaer Festspielen" ein. Wir waren bei den letzten Proben vor der heutigen Premiere dabei und erfuhren, dass bei der Aufführung nicht alles nur Spaß ist."

 

Stückkritik des Jenaer Campusradio
vom 26. Juli 2011
 

"Brechts Mutter Courage als Volksfestgaudi - das wagt das Theater im Karton in einer lustvollen und aufwändigen Inszenierung! Kriegstreiber ist hier - anders als bei Brecht - die Spaßgesellschaft. Das Publikum ist Teil der Kulisse, die eine ganze Kirmes umfasst. Tobi saß mittendrin und ließ sich mitreißen. ..."

>> Pressebericht

 

>> Fernsehbericht

 

>> Radiobericht

 

 

 

DRAMATURGIE

PARABEL

 

WILLKOMMEN IN DER GEGENWART, MUTTER COURAGE


Text folgt in Kürze

 

 

 

VON DEN DREI TUGENDHAFTEN KINDERN
UND DEM KRIEG

In einem Land, gar nicht so weit von unserem, und auch gar nicht so nah, zu einer Zeit, nicht zu fern und nicht zu nah an der unsrigen, herrschte der Krieg. Er herrschte auf allen Straßen, Plätzen, in den Dörfern, den Wäldern, auf den Feldern und in den Herzen und Bäuchen der Menschen.
Heut reden wir zu euch, liebe Leut, von den drei traurigen Gestalten, die dereinst den Kampf gegen den Krieg, ihren Herrscher, suchten und verloren haben ...

 

PORTRAITS

 

 

Probenbilder (ohne Kostüm)
vom 10. Juli 2011

 

 

Am Ende

Hält Katrin diese Gesellschaft. Des Spektakels nicht mehr aus. Weil sie nichts sagen kann. Trommelt sie. Man will sie. Zur Ruhe bringen. Endlich. Der Feldhauptmann gibt. Eilif das Gewehr. In die Hand. Das Leben. Ist ein Spiel. Wenn alles nur inszeniert ist. Kann Eilif abdrücken. Bricht Katrin zusammen. Stille kehrt ein. Gut. Hast Du das gemacht. Stärkster Mann der Welt. Du darfst doch gar nicht. Tot sein. Du musst doch. Mitspielen, Katrin. Einfach nur. Mitspielen, Katrin. Hörst du. Katrin ...