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Theater im Karton

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Der perfekte Mensch
- Eine Variation des Theaterstückes
"Geschlossene Gesellschaft" von Jean-Paul Sartre

Drei Figuren in einem abgeschlossenen Raum. Jede eine gewachsene Persönlichkeit mit eigenen Stärken und Schwächen. Für jeden von ihnen steckt hinter den beiden anderen jeweils die Sehnsucht und die Zerstörung. Alle sind immer zusammen. Es gibt keinen Moment, in dem jeder für sich, entweder das eine oder das andere genießen kann. Diese treibenden Widersprüche ziehen sie immer weiter in den Kreislauf des Teufels.

Auf Grund unserer Ensemblebesetzung bauten wir die Rolle der Ines in eine Männerfigur um, was ohne weiteres möglich war, und die Aussage unseres Stückes sogar noch verstärkte. Wir setzten Francois in einen Rollstuhl, um sein inneres Gebrochensein durch seine körperliche Behinderung auszustellen. Hartnäckig kämpft er gegen seine Diskriminierung und fordert von sich und den anderen die entblößende Wahrheit. Er versucht den wirklichen Menschen hinter der Maske freizulegen. Nur ihm selbst darf man nicht zu nahe kommen, dann macht er sein Gegenüber kaputt, bevor jener ihn verletzen kann.

Estelle wehrt alles Tiefgehende ab, will sich nicht darauf einlassen. Stattdessen sucht sie ihren Ausgleich in Äußerlichkeiten und körperlicher Beziehung. Das eigene innere Wesen wollte sie ertränken, so wie sie ihr Baby in den See schmiss. In ihrem Tanz lässt sie aber erkennen, wie viel Schönheit in ihr steckt.

Garcin, der perfekte Mensch, möchte das richtige Leben führen. Er hat sehr hohe Erwartungen an das Leben und gute Gedanken. Aber weil er nichts falsch machen will, trifft er keine Entscheidung. In der Mitte auf einem Podest sitzend, ist er mit der Leitung der Situation überfordert, aber Estelle will seine Machtposition nicht und Francois kann sie nicht erreichen. So zieht das Leben an ihm vorbei, und je weiter es sich entfernt, desto wichtiger wird ihm die Verklärung seiner vergangenen Möglichkeiten.

Gefangenschaft ist Freiheitsentzug. Gefangenschaft ist die ständige Wiederholung der Zustände. Gefangenschaft ist Warten auf Dauer, die ewige Wiederkehr des Gleichen und die Verstrickung in unlösbare Gedankenspiele.

Perfektion ist die erfüllte Sehnsucht nach Vollständigkeit, der absolute Zustand allen Strebens, aber auch die übertriebene Zielsetzung der Unzufriedenheit.

Die Diskrepanz beider Extreme, das Auseinanderklaffen zwischen Ist und Soll / gegenwärtiger Situation und Ideal kann einen Menschen zerreißen oder er flüchtet in seine Traumwelten, was denn gewesen wäre, wenn
Die Beweihräucherung ungenutzter Möglichkeiten, das Zurückschrecken vor den offenen Türen zur Verwirklichung, das Warten auf den Erlöser liegt in der Entscheidung des Beteiligten, ebenso wie ein erster Schritt in die Freiheit ...

Theater übernimmt die Aufgaben geschlossene Konstellationen durcheinander zu bringen, verschlossene Türen zu öffnen. Alles Weitere ist Eigenverantwortung.

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